Cloud Computing: Bei Apple, Google und Microsoft nur Exklusiv-Basare?

Das Cloud Computing ist zwar ein brandaktueller Hype - aber keineswegs neu: Daten im Internet speichern und bearbeiten, kann man schon seit vielen Jahren. Aber erst durch die Erfolgsstory des iPhone und iPad von Apple wurde das Cloud Computing zu einem Ton angebenden Trend. Denn Apples erfolgreiche Marktstrategie ist zum Vorbild auch für weitaus größere Global Player im IT-Geschäft geworden.
Ob Hersteller von Software oder Hardware, Internetprovider, Medien oder Mobiltelefon-Anbieter: Immer mehr Unternehmen springen auf diesen Zug auf. Nicht wenige unter Führung von Google. Das Cloud Computing könnte die IT-Welt deswegen grundlegend und massiv verändern.
Das Anbieterziel: SaaS, PaaS und IaaS maximal
Das Ideal der WebService Philosophie seitens der Anbieter : Auf den Computern der Anwender befinden sich nur noch soviel Daten und Programme, wie nötig sind, um das Benutzer-Gerät Cloud-fähig zu machen. In anderen Worten: Cloud Computing soll das Internet zu einer universellen Terminalserver-Angelegenheit machen. Terminalserver, die jedoch nicht im Besitz der Anwender sind, sondern von IT-Anbietern scheibchenweise inkl. der benötigten Software vermietet werden. Die Vermierung umfasst:
- Infrastruktur (IaaS)
- Plattform (PaaS)
- Anwendungssoftware (SaaS)
Aus Sicht großer IT-Anbieter ist das ein ideales Geschäftsmodell. Für private, geschäftliche und institutionelle IT-Anwender bietet dieses Geschäftsmodell ebenfalls viele Vorteile. Aber auch erhebliche Abhängigkeiten und deutliche Beschränkungen.
Die Idee Computer-Funktionalitäten zu vermieten, gibt es bereits seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts. Aber erst im letzten Jahrzehnt ist gelungen die Voraussetzungen dafür zu schaffen, die für eine massenweise Vermietung notwendig sind : sogenannte Service orientierte Architekturen (SOA), hochperformante Server-Virtualisierungen und ein breites Netz an schnellen Datenautobahnen. Eine maßgebliche Vorreiterrolle spielten bezüglich SOA und Server-Virtualisierung zunächst Markführer wie Oracle und IBM. Da Microsoft als Software-Gigant bezüglich SaaS keine führende Position erlangte, baute Google seine Webservices massiv aus. Für die meisten Beobachter unerwartet waren es schließlich Lifestyle-Produkte von Apple, die in der IT-Branche eine Lawine auslösten:
Apple: Wie David die Goliaths aufpeitschte ...
Apple hatte schon im 20. Jahrhundert vorexerziert, wie man mit validierten, auf den Computer optimal abgestimmten Software-Produkten hervorragend funktionierende Anwendungen erzielen kann. Das ewige Herumbasteln am Computer, welches z.B. bei Windows und Linux zwecks Überwindung von immer wieder feststellbaren Inkompatiblitäten nötig war, gab es bei Apple Computern in keinem nennenswerten Umfang. Der Nachteil dieser Exklusivität - eine enge Bindung der Anwender und Entwickler an die Konzepte und Geschäfstinteressen von Apple - störte weder Entwickler noch Anwender. Das war eben die Apple-Gemeinde und man war stolz dazuzugehören. Diese Exklusivität war immer schon beliebt bei vielen Anwendern. Und das wiederholte sich zuletzt beim großartigen Boom des iPhones und des iPad. Auch die vielen Millionen zusätzlichen Apple-Kunden fühlten sich nun als stolze und glückliche Besitzers eines Apple-Gerätes.
Bis zum durchlagenden Ertolgs des iPhone und iPad galt: Apple bedient eine Marktnische und war auf die Größe des gesamten IT-Marktes bezogen kein maßgeblicher und mächtiger Mitspieler. Seit iPhone und iPad ist das anders geworden. Apple wurde plötzlich als ernstzunehmender Konkurrent bei der Aufteilung der großen Marktanteile gefürchtet. Und das Apple Vertriebskonzept galt nun als nachahmenswerte Erfolgsstrategie. In Folge neigt der IT-Markt dazu, ein Mosaik von Exklusiv-Basaren zu werden. Mochte die Marktmacht von Microsoft manchen ein Dorn im Auge gewesen sein, sie ging jedenfalls nicht so weit, dass Anwender, die sich für Microsofts Betriebssystem entschieden hatten, alle Anwendungssoftware über Microsoft beziehen mußten. Und es stand Entwicklern frei, sich an Microsoft Standards zu halten. Das scheint in der neuen Wolkenwelt ganz anders zu werden: Entwickler wie Anwender müssen sich nun zunehmend mit Reglementierungen der Apps-Markets abfinden.
Hermetische Online-Systemwelten funktionieren perfekt
Die Art und Weise, wie Apple das Internet nutzte, als schnelle Datenverbindungen verfügbar wurden, hatte und hat für den Anwender einen einzigartigen Vorteil: Wenn Computer oder Smartphone den Geist aufgeben, sind alle Anwendungen wieder schnell installiert. Ohne CDs oder externe Festplatten. Fazit: Die Zeiterparnis, die man mittels moderner Technologie einsparen kann (mehr Produktivität), geht durch die Systempflege etc. hier nicht wieder verloren.

Es war naheliegend diesen Ansatz auch auf die Datenhaltung und Datensicherung zu übertragen. Wenn die Daten (Mails, Dokumente, Fotos, Video usw.) auf einem professionell betriebenen Server in hochleistungsfähigen Rechenzentren deponiert werden, braucht der Anwender sich auch mit Datensicherung oder Datenwiederherstellung nicht mehr beschäftigen. Wird dieser Service "industriell" bereitgestellt, dann muss der einzelne Anwender für die Intaktheit seiner Anwendungen und Daten nur noch einen Bruchteil dessen aufwenden, als wenn er sich selbst darum kümmert. Erste Schritte in diese Richtung waren bereits Mail-Konten und virtuelle Speichermöglichkeiten wie sie z.B. GMX bereits seit vielen Jahren anbietet. Beim ausgereiften Cloud Computing läßt sich alles und jedes auf diese Weise per Computer erledigen. Die Mitarbeiter von Google beispielsweise arbeiten nur noch so. Am besten funktioniert das, wenn auch die Endgeräte (Smartphone, Tablet, Notebook, Desktop PC) perfekt auf die jeweilige Prodiver-Cloud abgestimmt sind. Bei einem Google-Handy und Tablet z.B. kann man davon ausgehen, dass alle Google-WerbServices uneingeschränkt funktionieren und kombinierbar sind (z.B. Antippen des Map-Symbols im Adressbuch zeigt den Standort in Google Maps an). Wie bei Apple erhält man dann alles aus einem Guss. Erreichbar ist das nur, wenn Betriebssystem, Endgerät und Anwendungssoftware strikt. an ein Konzept gebunden werden. Die Restriktionen der Cloud Markets sind Voraussetzungen eines optimalen Qualitätsmanagements.
Je mehr dabei die Medienbrüche beseitigt werden, desto mehr entstehen für den Anwender in vielerlei Beziehung faszinierende Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungswelten. Per UMTS sogar überall verfügbar. Das Endgerät medienbruchfreier Anwendungen ist ein wahrer Alles-Können - einsetzbar als Office, Zeitung, Illustrierte, Buch, Dolmetscher, Fernseher, Radio, Tonbandgerät, Fotoapparat, Filmkamera, Navi, Spielecomputer und vieles mehr. Hier geht der digitale Traum in Erfüllung. Auf mobil verwendbaren Kleingeräten wie Smartphones und Tablets. Ohne Cloud Computing wäre das nicht möglich. Die dafür erforderliche Festplatte würde in die kleinen, schlanken Geräte schlichtweg nicht reinpassen.
Die sogenannten Apps und Widgets sind deshalb meist wolkig: Sie verknüpfen den eigenen Computer - derzeit vornehmlich Smartphones und Webtablets - direkt mit dem Teil des Provider-Servers, der einem dort virtuell zur Verfüngung steht. Die bislang technisch geprägte Sprache für solche Möglichkeiten erledigt sich dabei mehr und mehr. Man nennt das zunehmend nur noch persönliches "Konto". Ohne eigenes Konto bei Cloud Computing Providern und den jeweils zugehörigen Apps-Markets läuft in dieser Cloud Computing Welt freilich kaum noch etwas. Selbst wer die Android-Version des Flashplaysers auf dem Portal von Adobe herunterladen will, wird inzwischen an den "Android Market" verwiesen. In der klassischen Windows- und Linux-Anwendungswelt genossen Anwender bezüglich Software-Downloads viel mehr Freiheit als beim Cloud Computing. Dafür kann man jetzt im Park, in der Bibliothek, im Supermarkt und wo auch sonst immer mal schnell zwischendurch ein eigenes Video auf Youtube hochladen.
Eigensinnigen Geräteherstellern sind im Cloud Computing Grenzen gesetzt. Während sie beim Desktop Computing von allen Optionen profitieren konnten, die ein Betriebssystem und die dafür geschriebenen Anwendungen boten, müssen sie sich beim Cloud Computing an die Zulassungsbedingungen der Hersteller- bzw. Provider-eigenen Markets beugen, damit Software-Lösungen für ihre Geräte in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Oder selbst einen Market aufbauen. Archos ist hierfür ein Beispiel: Solange der franzöische Internet-Tablet Hersteller keinen Zugang zum Android-Market erhält, sind z.B. Tagesschau App und der Adope Flash Player für Käufer eines Archos Android Tablets nicht downloadbar. Dies bedeutet: Ein Rundfunkgebührenzahler, der die Tagesschau (öffentlicher Rundfunk) auf einem Tablet sehen möchte, kann dies nur auf Geräten tun, die von privaten Marktführern wie Google in ihrem Cloud Market zugelassen wurden. Das bekommt der Rundfunkgebührenzahler auch zu spüren, wenn er ARD- und ZDF-Sendungen auf einem Archos Tablet ohne "App" über den Internet-Browser sehen will. Spätestens in der "Mediathek" der Fernsehanstalten benötigt er dafür den Adobe Flash Player in der neusten Version. Den bekommt er ebenfalls nur im Android Market, kann ihn also auf Archos Tabs nicht downloaden.
Google: Das Touchscreen-Smartphone wird Ausgangspunkt einer großen Marktoffensive
Anders als Apple ist Google kein Computerhersteller. Auch kein Entwickler von Software für Desktop-PCs. Da die Desktop-PC-Anwender ihre Anliegen bereits mit vorhandener Softwareaustattung erledigen, waren auf diesem Felde nur wenige Hauptnutzer für das Cloud Computing zu finden. Weitaus aussichtsreicher als begeisterte Entdecker des Cloud Computing sind dagegen Smartphone-Anwender. Denn die sind ohnehin per Funk "on the fly" - nahe den Wolken. Also ließ Google Smartphones mit einem eigenen Betriebssystem herstellen, welches Googles eigenen Cloud Ideen am besten entspricht: Android.
IT-Giganten als neue Herren der herkömmlichen Medien?
Der Vorteil für die Betreiber exklusiver Apps-Stores besteht darin, dass sichergestellt ist, dass sie an jeder kostenpflichtigen Software mitverdienen. Wie zu lesen war, sind das bei Apple meist 30% vom Verkaufspreis. Wie die Auseinandersetzungen zwischen Apple und Sony zeigen, werden auch EBook-Reader nur aufgenommen, wenn der Profit für den Betreiber gesichert wird. Medienzugänge werden auch bezüglich der Multimedia-Angebote von Verlagshäusern kanalisiert. So wurde berichtet, dass die Multimedia-Ausgabe des Daily ausschließlich auf dem Apple iPad publiziert werden wird - gegen Abogebühr.
Wenn Medien- und Internet-Giganten, Computer- und Smartphone-Hersteller ihre Vertriebsstrategien mehrheitlich nach diesem Exklusivitätmodell ausrichten würden, dann würde vielleicht nicht nur der Zugang zu Softwareangeboten, sondern auch die elektronische Verfügbarkeit von Informationen aller Art sehr weitgehend davon abhängen, für welchen Gerätehersteller oder Cloud Provider man sich als Bürger entscheidet. Dass bei Apps-Stores nicht nur aus technischen Gründen ausfiltert wird, hat Apple bereits vorgeführt: Das Wikileak App wurde aus dem Apple Shop verbannt.
Sicherheitsbarrieren für das Cloud Computing in Wirtschaft und Staat
Es sind vor allem Sicherheitsaspekte, die Unternehmen bisher davon abhalten, das Cloud Computing in größerem Umfang zu nutzen.Cloud Computing für geschäftliche Anwendungen sollte jedoch nicht als Entweder-Oder diskutiert werden. Deshalb empfehlen herstellerneutrale Berater wie HQA eine unternehmensspezifische Definition von Hybrid-Systemen, welche die Ergebnisse eigener Anwendungs-, Sicherheits- und Kostenbelange ausgewogen abdecken. In welchem Umfang Cloud Computing ohne Sicherheitsbedenken genutzt werden kann, ist nachvollziehbar auf Basis von Risikoanalysen darstellbar.
Nicht übersehen werden sollte, dass Cloud Computing letztlich eine Terminalserver-Technologie ist. Was die IT-Giganten als Platform as a Service, Infrastructure as Service, Software as a Service etc. realisiert sehen möchten, ist für Unternehmen technisch auch als unternehmseigene Lösung realisierbar: Mit gekauften Software-Lizenzen und Eigenentwicklungen, bei deren Einsatz Remote-Verbindungen und Datenspeicher unter eigener Kontrolle bleiben. Mit externen Services mag sich einiges besser und wirtschaftlicher erledigen lassen, als man es selbst kann. Kernkompetenzen und Sicherheitsverantwortung sollten dagegen dem Selfproviding vorbehalten bleiben. So gesehen wäre es wünschenswert, wenn Microsoft eine neue Terminalserver-Generation anbieten würde, welche auch Tablets als Terminal-Clients unterstützt.
Während die Kostenvorteile des Cloud Computing in den USA auch von öffentlichen Verwaltungen genutzt werden, ist das In Deutschland bis auf weiteres nicht möglich. Das Cloud Computing entspricht nicht den gesetzlichen Vorschriften an Datenschutz und Informationssicherheit, worauf u.a. eine Publikation des wissenschaftlichen Informationsdienstes des Deutschen Bundestages hinweist. Hinzu kommt, dass die großen Anbieter von Cloud Computing Services - wie Google und Amazon - keine europäischen Unternehmen sind. Bei der Bewertung der Tauglichkeit des Cloud Computing für die Bearbeitung und Speicherung sensibler Daten spielen daher auch Aspekte der nationalen und europäischen Sicherheit eine Rolle.. Auch für die Belange eines Privat Cloud Computing (Selfproviding, kein Servicemodell) wäre ein zeitgemässes und zukunftsweisendes Update des Microsoft Terminal Servers sehr begrüßenwert.
SaaS: Kostenersparnis zum Preis der Abhängigkeit?
Software nur noch mieten, wollen nicht alle. Aber alle wollen smart und hochproduktiv arbeiten. Und zugleich werden immer weniger auf das Cloud Computing verzichten wollen. Aber eben nicht unbedingt im Rahmen eines Public Cloud Computing, dessen virtualisierte "Terminalserver", serviceorientierte Software Architektur (SOA) und Rechenzentren sich im Besitz und unter Kontrolle von global agierenden Giganten befindet - egal, ob sie Apple, Google, Microsoft, Oracle, IBM oder wie auch immer heissen:
Eigener Besitz war und ist etwas wert. Denn Eigentum ist nach wie vor die materielle Basis von unternehmerischer Freiheit und persönlicher Unabhängigkeit. Zuviel Cloud Computing "as a Service" läuft auf Selbstenteignung und Abhängigkeit hinaus. Denn was derzeit als Public Cloud Computing bezeichnet wird, ist ja keineswegs ein öffentlicher Service, sondern ein privates Geschäftsmodell, welches den Anbietern des Public Cloud Computing laufende Mieteinahmen sichern soll. Gerät ein solcher Anbieter in Schwierigkeiten, weil seine Zukunftspläne nicht aufgehen, was ist dann? Sind die Wirtschaftsabläufe dann noch ohne staatliche "Rettungsschirme" aufrecht zu erhalten - wie in der jüngsten Bankenkrise?
Würde Microsoft vom Markt verschwinden, würden Microsoft-Kunden keinen unmittelbaren Schaden haben. Updates gibts dann natürlich keine mehr. Aber sie könnten als Lizenzbesitzer problemlos weiterarbeiten. Neu entdeckte Sicherheitslücken wären ein Neuer Markt für IT-Dienstleister. Wer seine Hauptanwendungen als Software as a Service (SaaS) bezieht, hat eine solche Option nicht.
Dass auch die Giganten der IT-Branche unversehens in Schwierigkeiten geraten können, entpuppt der Cloude Computing Hype selbst: Sattelfeste Unternehmen wie Apple, Microsoft und Nokia bibbern aktuell um ihre Marktanteile. Im Falle von Apple wird klar: Ein Rückschlag kann sogar durch bewundernswerten Erfolg ausgelöst werden: Weil der Erfolg eine übermächtige Anzahl von Nachahmern auf die Bühne treibt, die alle an den gewonnenen Marktanteilen gierig knabbern.
Bill Gates Systemstrategie: Investitionschutz durch evolutionäre Softwareentwicklung
Bleibt zu hoffen, dass Microsoft in diesem Treiben zu seinen Kernkompetenzen und seinem Evolutionsversprechen zurückfindet. Wenn Windows (einschließlich MS Terminalserver) weiter so vorangetrieben würde, bis es der Vision von Bill Gates - Information at your fingertips - endlich entspricht, wäre für Microsoft-Kunden und Microsoft selbst viel gewonnen. Solange dies nicht umgesetzt wird, ist AZURE - das Cloud Computing Konzept von Microsoft - gegenläufig: Microsoft orientiert sich nicht mehr konsequent und selbstsicher an seiner ursprünglichen Philosophie, sondern versucht Googles Webservice Kompetenz zu imitieren. Viele Anwender wünschen sich aber Microsoft Lizenzprodukte, die sich auch so wunderbar leicht bedienen lassen wie iPads: Information at your Fingertipps - aber ohne Exklusiv-Basare und ständige Remoteverbindung zu fremden Servern!
WebTabs, die abwechselnd als Microsoft RemoteDesktopClient für einen modernisierten Microsoft Terminalserver und für sonst übliche WebTab-Anwendungen verwendet werden können, das wäre ein zeitgemäßes und zukunftsweisendes Angebot an alle bisherigen Microsoft-Kunden. Da ist in den letzten Jahren in der Microsoft Unternehmensführung einiges schiefgelaufen, hatte Microsoft doch schon 2002 ein eigenes Tablet-Konzept präsentiert. Ray Ozzie - Chief Software Architekt und damit in der Nachfolge von Bill Gates stehend - hatte Microsoft in den Cloud Hype verwickelt, weil er das Google Marktkonzept als Non-Plus-Ultra auch für Microsoft ansah. Ray Ozzie wird Microsoft verlassen.
Findet Microsoft in Folge vielleicht wieder zurück zu seiner Erfolgsstrategie?: Unternehmenskunden evolutionär an technologischen Innovationen teilnehmen zu lassen, ohne ihnen Systembrüche zuzumuten, die ihre bisherigen Investitionen in Frage stellen. Bedurfte es all des nebulösen Tam Tams, damit deutlich werden konnte, was die solide Evolutionstragie des Microsoft-Monopols wert war? Es garantierte Lizenzbesitz, Investitionschutzt und größtmögliche Freiheit bei der Planung von Veränderungen und Updates. Bill Gates dachte auch an die langfristigen Belange seiner Kunden, orientierte sich nicht ausschließlich an kurzfristigen Wettbewerbssituationen und Profitchancen. Das einer der Gründe dafür, dass Microsoft eine Monopolstellung erzielen konnte: Man konnte sich im großen und ganzen darauf verlassen, dass die eigenen Investitionen geschützt wurden. Und so leisten bis heute längst veraltete NT-Server noch so manchen Dienst und werden es weiter tun, bis die Hardware, auf der sie installiert wurde, irgendwann den Geist aufgibt.
Es sieht freilich eher so aus, dass Microsoft sich eher noch verstärkt beim Cloud Hype engagieren wird. Denn der Cloud Anteil weist beachtliche Zuwachsraten bei privaten Verbrauchern auf. Microsoft hat seit Februar 2011 einen eigenen Cloud Market mit dem Nahmen Azure (aufgeteilt in Windows Azure und SQL Azure). Auf seiner Webseite bietet ein umfqassendes Cloud Computing für Unternehmen und Insitutionen mit folgenden suggestiven Worten an:
"Organisationen stehen daher heute nicht mehr vor der Frage, ob sie Cloud Computing nutzen, sondern wie schnell und in welchem Umfang sie die neue Technologie einsetzen. Dafür bietet Microsoft ein umfassendes Angebot an Cloud-Services – gleichermaßen für stationäre (Server und PCs) wie für mobile Endgeräte. Das Portfolio umfasst Infrastructure as a Service (IaaS), Plattform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS)." Zur entsprechenden Microsoft-Page ....
Für 2012 scheint eine neue Microsoft Windows-Welt geplant zu sein: Windows 8
Die grosse Frage: Wird Microsoft das VPN vernachlässigen oder modernisieren?
Auch Lösungen für das Virtual Private Network (VPN) - der klassische Form des Privat Cloud Computing - ändern nichts daran, dass IT-Giganten durch Innovationen die Computerwelt prägten und dies weiter tun werden. Jedoch als Besitzer von Betriebssystem- und Softwarelizenzen, eigenen Datenspeichern, Datenzugangs- und Datensicherungsverfahren hatten und haben Unternehmen und Insitituitionen ihre Anwendungen und Daten beim Virtual Provate Network (VPN) unabhängig davon vollständig unter eigener Kontrolle.
Apple und Google haben bisher keine Kompetenz im Bereich des VPN. Microsoft hat sie, auch wenn der MS Terminalserver nie im Vordergrund der Werbung stand. Vielleicht sollte Microsoft diesbezüglich umdenken, anstatt sich - wenig erfolgreich - im Markt der Smartphones behaupten zu wollen (Public Cloud Computing). Ohne Updates im Bereich der Virtual Private Networks würden Hybrid Clouds eine Verbindung von veralteten und neuen Datenverarbeitungsmethoden bleiben.
Es ist durchaus nachvollziehbar, dass perfekt funktionierende Smartphones und WebTabs sich in Verbindung mit den Webservices des Public Cloud Computing technisch nicht anders als in exklusiven Welten realisieren lassen, in denen alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind. Cloud Computing als solches aber erschöpft sich nicht in exklusiven Welten der IT-Giganten und ihren geschlossenen Basaren. Vor allem die IT von Unternehmen benötigt Systeme, die offen sind, sich nach eigenen Anforderungen jederzeit beliebig verändern lassen. Diese Freihheit war Unternehmen im Rahmen der ursprünglichen Microsoft Systemstrategie, die unter der Regie von Bill Gates strikt galt, garantiert. Diese Freiheit war einer der Gründe dafür, weshalb Micirosoft sich im Bereich der Unternehmensanwendungen mit seinem Betriebssystem und Office-Applikationen bis dato nahezu konkurrenzlos behaupten konnte. Die Microsoft Terminalserver-Technologie ermöglichte den Unternehmen dabei bereits ein Cloud Computing, lange bevor es dieses Modewort überhaupt gab. Von Apple und Google könnte Microsoft heute lernen, wie man Unternehmensanwendungen ihm Rahmen der Terminalserver-Technologie "smart", flüssig und medienbruchfrei gestalten kann.
Cloud Computing - ein Modell der Selbstenteignung?
Für Privatanwender, die ihre eMails über Web.de oder Gmx.de verwalten, ihre Fotos bei Google oder Amazon speichen und ihre persönlichen Daten unbekümmert Facebook und anderen Internet-Einrichtungen amvertrauen, liegt es nahe, dann eben auch Briefe und andere Dokumente über einen Internet-Prodiver zu erstellen und dort abzuspeichern. Solange das einfacher und billiger ist, warum sollten sie das dann nicht auch tun? Es macht im Verhältnis solcher Internet-Nutzer zum Datenschutz keinen substantiellen Unterschied. Zu überwachen, dass dabei im Sinne des gesetzlichen Datenschutz alles in ordnungsgemäßen Bahnen verläuft, ist letztlich eine Angelegenheit der Gesetzshüter. Das ist zumindest ein möglicher Standpunkt. Der Bürger ist ja auch nicht für die Einhaltung der Lebensmittelqualität und Pharmazievorschriften zuständig. Wie bereits oben ausgeführt ist dieser Standpunkt nicht ohne weiteres auf die Datenschutzangelegenheiten von öffentlichen Verwaltungen und Unternehmen übertragbar.
Geschäftskunden sollten sich zudem darüber im klaren sein, dass Unternehmen und Institutionen beim Software-Vertriebskonzept, welches die IT-Giganten unter der Fahne des Cloud Computing anstreben, nicht mehr als Eigentümer ernst genommen werden. Die IT-Giganten wollen König Kunde zum abhängigen Mieter machen. Und zwar anders als beim Leasing, bei dem nach Ablauf des Vertrages eine Kaufoption besteht. Da die IT zum Nervenzentrum der meisten Unternehmen und Institutionen geworden ist, sollte sich jede Organisation fragen, ob dies mittel- und langfristig in ihrem Interesse ist. Nicht zu zuletzt geht es immerhin um Folgendes:
Stellen Sie sich ein Unternehmen vor, dass im Besitz von Grundstücken und Betriebsgebäuden ist. Nun macht jemand dem Unternehmen den Vorschlag, die Grundstücke und Betriebsgebäude zu kaufen, um sie dem Unternehmen dann zu vermieten. Solange ein Unternehmen nicht in arge finanzielle Not gerät, wird es dies nicht tun. Denn das Eigentum garantiert ihm eine große Unabhängigkeit und stützt damit die unternehmerische Handlungsfreiheit. Ein solches Angebot würde als verrückt erscheinen.
Die Anbieter des Cloud Computing machen Unternehmen ein viel verrückteres Angebot: Die Unternehmen sollen sich ihrer kompletten bisherigen IT-Infrarstruktur (Sachkapital, Personal, Konow how) entledigen, - und zwar ohne dass sie dafür einen Kaufpreis gelten machen können - und dann alle erforderlichen IT-Angelegenheiten mieten. In anderen Worten: Die Unternehmen sollen ihre bisherigen Investitionen in die Informationstechnologie vernichten.
Wenn man nach einem vernünftigen Grund fragt, warum dies Unternehmen ohne Not tun sollten, wird zumeist vorgetragen, die sei so wie bei der Stromversorgung: Früher hätten die Unternehmen ihren Strom teuer selbst produziert, weil es noch keine großen Stromversorger gab, die Strom viel billiger produzieren können. In der IT sei das nun mal genauso. Werden da vielleicht Äpfel mit Birnen verglichen? Die Informationstechnologie nährt sich zwar vom Strom, ansonsten ist sie aber eine Angelegenheit, die sehr tiefgehend und weitreichend mit der Besonderheit der Unternehmen, ihrer Überlebens- und Wettbewerbsfähigkeit verbunden ist. Und dazu gehört auch das It Know how der eigenen Mitarbeiterschaft. Jedes Unternehmen sollte es sich x-fach überlegen, ob es dieses Know how an "Internet-Provider" abgeben will.
Das Kosteneinsparungsversprechen: Hohe Mieten sind günstiger als IT-Personalkosten
Die Zukunftsvision der "Architekten" der IT-Industrialsierung beinhaltet, dass die IT-Abteilungen in Wirtschaft und Staat einer Fachabteilung des Managements zusammenschrumpfen sollen. Aufgabe einer solchen Fachabteilung ist es zu entscheiden, welche Computer-Funktionalitäten zusätzlich gemietet oder gekündigt werden sollen.
Bei der Entscheidung, in welchem Umfang und nach welchen Zeitplänen eine Organisation auf SaaS, IaaS und PaaS umsteigen will, hat daher auch eine personalpolitische Dimension.
Für die meisten IT-Fachkräfte in Unternehmen und Institutionen ist Cloud Computing keine rosige, sondern eher eine schwarze Wolke ...
Hype hin oder her: Kunden werden das letzte Wort haben!
Die Kunden entscheiden, was im Markt geht und was nicht. Was IT-Giganten beabsichtigen und Medien aufgeregt darstellen, ist nicht maßgeblich. Man sollte sich deswegen durch den Wolken-Hype nicht den Verstand vernebeln und zu vorschnellen Grundsatzentscheidungen verleiten lassen.
Unsere Empfehlung zu Ihrem Investitionsschutz: Testen Sie die moderne Technologie auf Smartphones und Webtabs - und lassen Sie sich dabei auch begeistern. Sie werden dann erfahren, dass Sie in Zukunft anders nicht mehr arbeiten möchten. Aber lassen Sie sich Zeit mit grundsätzlichen und langfristigen Entscheidungen bezüglich größerer Investititionen, bis der Hype vorbei ist.. Der Wettbewerb der IT-Giganten bezüglich des Cloud Computing hat seinen Höhepunkt noch nicht erreicht und wird noch durch viele Spekulationen getragen und angeheizt. Wie u.a. die neue Partnerschaft von Nokia und Microsoft zeigt, ist der IT-Markt aktuell sehr aufgewühlt. Einige Lösungen, die heute im erbitterten Kampf der IT-Giganten um zukünftige Marktanteile als Non-Plus-Ultra angepriesen werden, sind nach einigen Monaten vielleicht schon wieder veraltet ...
Microsoft scheint Windows 8 auch für den Einsatz in Tablets zu trimmen. Bleibt abzuwarten, ob und in welcher Form dabei auch der RemoteDesktopClient und der Microsoft Terminal Server für das Private Cloud Computing (VPN) modernisiert wird. Denn Unternehmen, die weiterhin Eigentümer ihrer IT-Infrarstruktur sein wollen, haben ein Interesse daran, dass die Terminal Server Technologie im Sinne des von Bill Gates einst garantierten Investitionsschutzes nicht auf dem Stand von anno dazumal stehen bleibt. Für diese Klientel kann man nur hoffen, dass sie von Microsoft auch in Zukunft noch als wünschenswerte Zielgruppe betrachtet wird. Was die lautstarken Hype-Protagonisten der IT-Giganten von sich geben, klingt freilich anders: Wir wollen nur noch SaaS, Webservices, Online-Stores, Cloud Computing für alles, was sich irgendwie virtualisieren läßt. Unsere Idealkunden sind Anwender, die Endgeräte verwenden, auf denen unser immer größer werdendes Serviceangebot perfekt genutzt werden kann - aber nicht mehr.
Solche Vorstellungen gibt es bei IT-Giganten schon lange. Oracle und Google nahmen großes Geld dafür in die Hand, um sie realisieren. Andere zauderten. Apples Erfolge mit iPhone und iPad wirkten dann auf die Branche wie ein Paukenschlag, der einen "Weltkrieg" auslöste: Wer bereits "aufgerüstet" hatte, rüstet nun noch mehr auf. Alle anderen rüsten nach, um auch noch gewinnen zu können. Oder wenigstens nicht zuviel zu verlieren. Googles subtile Versuche, Microsofts Marktdominanz aufzuknacken, wandelten sich in einen lautstarken Zweifrontenkrieg gegen Microsoft und Apple. Allseitig werden neue Verbündete akquiriert. Oracle hält sich bei diesem Kriegsgeschrei im Hintergrund - noch. Weil Google den Kernmarkt von Oracle noch nicht nennenswert attackieren kann: Die unternehmensspezifischen Anwendungen, die ohne große Datenbank-Lösungen nicht funktionieren können. Aber man kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Oracle nicht schläft. Wer Milliarden Dollar in SOA (Service orientierte Architektur) und Virtualiserungstechnologien investiert hat, weiss was nun auf dem Spiel steht - zumal Googles Marktoffensive sich einem bitteren Schlag gegen Oracles vernachlässigter Obhut der Linux-Entwickler verdankt und auch den Amazon-Webservices (Oracle-Technologie) verstärkte Konkurrenz machen kann.
Wenn der IT-Markt sich weiter in Richtung der Cloud Computing Vorstellungen der IT Giganten entwickeln sollte, wird das "Inter-Net" bald nicht mehr sein, was es einmal war. Es würde zum "Global Monopoly Net" großer wirtschaftlicher Interessenverbünde mit exklusiven Basaren, ohne die im Internet nicht mehr viel geht .
Als Virtual Private Network (VPN) wäre modernes Cloud Computing mit Touchscreens, Tablets usw. auch für die Geschäftskunden, die ein Mietmodell ablehnen, sehr attraktiv - und bedenkenlos produktivitätssteigernd. Denn bei VPNs stellen sich weder Eigentumsfragen noch grundsätzlich neue Sicherheitsfragen.
Die beim Cloud Computing mitschwingende oder z.T. sogar offensiv vorgetragende Vorstellung, Lizenz-Kauf von Software wäre ein Auslaufmodell, ist eine Brüskierung aller derjenigen, die Software- und Hardware-Updates stets als sinnvolle unternehmerische Investition betrachten haben. Sollte sich herausstellen, dass Software-Hersteller den Verkauf von Software-Lizenzen verweigern, weil sie ihre Kunden in Mietverhältnisse zwingen wollen, werden sie sich von solchen Organisationen die Frage gefallen lassen müssen: Wie bitte? Nachdem wir soviel in Mitarbeiterausbildung und Sachkapital investiert hatten, "dürfen" wir jetzt nur noch dauerzahlender Servicekunde sein?
