Thin Clients, Terminalserver, Virtual Private Network (VPN) und Public Cloud Computing

Das Cloud Computing ist letztlich nicht anderes als eine Form der Terminalserver-Anwendung. Das Prinzip des Terminal Server Computing:
Daten und Anwendungen liegen vollständig auf einem Server. Der Computer des Anwenders muss daher nicht mehr können, als sich mit dem entsprechenden Server zu verbinden und die Ereignisse auf dem Bildschirm anzuzeigen.
Der Einsatz von Terminalservern wurde und wird bevorzugt von Unternehmen eingesetzt, die zu hohem Datenschutz verpflichtet sind, zum Beispiel Banken. Dort werden reine Terminal-Clients eingesetzt: Computer, mit denen man nichts anderes tun kann, als sich mit dem Terminalserver zu verbinden. Solche Computer haben keine Laufwerke und keine USB-Anschlüsse. Datendiebstahl durch Datenkopie auf CDs, DVDs oder USB-Sticks ist daher nicht möglich.
Die erforderliche Rechnerleistung ist so gering, dass sie problemlos im Bildschirm untergebracht werden kann. Die Bildschirm Computer für Terminal Server Anwendungen werden deshalb Thin Clients bzw. Zero Clients genannt.
Terminalserver Anwendungen werden schon seit langer Zeit nicht nur in verdrahteten Netzwerken, sondern auch remote eingesetzt. Bevor es schnelle Datenautobahnen gab, war es üblich dafür spezielle Datenleitungen beim Telefon-Versorger zu mieten. Zum Beispiel, um sich mit einem Server in Frankfurt auch von Berlin oder München aus verbinden zu können.
Alternativ zu reinen Terminals (Thin Clients) können auch normale Desktop PCs als Clients verwendet werden. Die Verbindung wird hier über eine kleine Anwendung - bei Microsoft RemoteDesktopVerbindungen genannt - hergestellt, die in Windows bei den Zubehörprogrammen zu finden ist..
Das Mieten von Datenleitungen ist heute nicht mehr erforderlich, um Terminal Clients per Fernverbindung einzusetzen. Auch das Terminal Server Computing erfolgt mittlerweile über DSL oder UMTS. Die Verbindung wird mit der IP Adresse des Terminal Servers hergestellt. Die Terminalserver Zugriffe sind dabei verschlüsselt.
Auf diese Weise lassen sich Tausende von Clients, die rund um den Globus verteilt sind, mit einem Terminal-Server verbinden. Ein solches Netzwerk wird als Virtiual Private Network (VPN) bezeichnet. Wichtig ist bei dieser Bezeichnung "private". Damit soll ein virtuelles Netzwerk, dass nur einem bestimmten Personenkreis zugänglich ist, gegen öffentliche virtuelle Netzwerke - vor allem das Internet - abgegrenzt werden. Nach aktuellem Sprachgebrauch ist ein VPN eine Private Cloud, im Gegensatz zur Public Cloud.
Die modernen Webservices werden ebenfalls auf einem Server ausgeführt und auf dem PC des Nutzers nur angezeigt. Beim Public Cloud Computing unserer Tage sind Smartphones und Webtablets die Thin Clients. Googles Netbook-Konzept auf Basis des Betriebssystems Chrome ist ebenfalls ein Thin Client oder Zero Client. Ein Zero Client, der ausschließlich darauf ausgelegt ist, die Webservices von Google zu nutzen.
Die Terminalserver-Anwendungen von Unternehmen und Institutionen sind im Unterschied dazu ganz auf eigene Belange ausgerichtet und laufen auf eigenen Servern.
Das Prinzip der Terminal Server Anwendungen - sei es beim VPN oder dem Public Cloud Computing - ähnelt dem ursprünglichen Modell des Mainframe-Computing. Das Großrechner-Konzept wurde weitgehend durch PCs abgelöst, welche Anwendungen auch lokal leistungsfähig ausführen konnten und einen zentralen Rechner nur noch für die allgemeine Dienste benötigten (zentrale Datenhaltung, Drucker-Sharing z.B.). Durch die globale Verbreitung schneller Datenautobahnen (insbesondere DSL und UMTS) hat man das Großrechner-Modell im Zusammenhang des Internet wiederentdeckt. Der Unterschied zum klassischen Großrechner-Modell besteht darin, dass beim Cloud Computing der Großrechner durch ein für Anwender nicht mehr durchschaubares Netzwerk von Großrechnern (Wolke) ersetzt wird, deren Speicherkapazitäten und Dienste hochflexibel zur Verfügung gestellt werden können (Servervirtualisierung und SOA). Aufschlußreich in diesem Zusammenhang ist u.a. die Einleitung des Arbeitspapiers "Cloud Compuiting - Sicherheit und Datenschutz" von Michael Winkelmann (Institut für Informatik der Universität Potsdam).
Die Ausführungen von Michael Winkelmann zeigen, dass das wolkige Großrechnermodell - im Gegensatz zum ursprünglichen Grossrechner-Modell und klassischen VPN - noch viele ungelöste Sicherheits- und Datenschutzprobleme beinhaltet. Dies ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass die neuen Großrechner-Wolken nicht im Besitz der Anwender sind, sondern hauptsächlich nur als Mix von werbefinanzierten, kostenlosen Services und Vermietungskonzepten im Rahmen von anbieterbezogenen Exklusiv-Basaren verfügbar sind. Außerdem läuft die Gesetzgebung den technisch ermöglichten neuen Marktangeboten noch hinterher, anstatt sie in angemessener Weise zu regulieren. Mehr Info
